Dienstag, 22. September 2015

Zeitfresser


Dinge, Tätigkeiten, die uns im Alltag unsere Zeit stehlen und unsere Zeit immer knapper machen, sogenannte Zeitfresser, kennt sicherlich jeder. Oftmals schleichen sie sich allerdings unbewusst in unser alltägliches Leben, so dass wir sie kaum bemerken.
Craig Lambert  macht in diesem Buch ein Trendphänomen, die Schattenarbeit, als einen dieser Zeitfresser aus.  In unserer Freizeit haben sich klamm heimlich viele neue Aufgaben überall im Alltag eingenistet, die wir längst gewohnheitsmäßig erledigen, und zu dieser sogenannten Schattenarbeit gehören. Lambert zählt alle unbezahlten Arbeiten, die wir für Unternehmen oder Organisationen ausführen dazu. Früher haben Unternehmen sie für uns erledigt, jetzt werden sie  auf Konsumenten/ Kunden ausgelagert, um vor allem Arbeitskosten zu sparen. Voß/ Rieder (2006) benutzen u.a. hierfür den Begriff des ‚Arbeitenden Kunden‘.

Dazu gehören beispielsweise Selbstbedienungskassen, Selbstbedienungsgaststätten, das Selbst-Aufbauen von Möbeln, das E-Banking oder die Buchung der Urlaubsreise über ein Online-Portal. Auch das Pendeln zur Arbeit zählt Lambert zur Schattenarbeit. Grenzen zwischen Freizeit und Arbeit verschwimmen immer mehr. In diesem Zusammenhang nehmen wir es nicht einmal mehr wahr, dass wir ja eigentlich für ein Unternehmen arbeiten und das auch noch unbezahlt.

Das Buch beschreibt all diese Tätigkeiten und nennt die Ursachen dieser Entwicklung.

Da Schattenarbeit meist routinemäßig im Alltag ausgeführt wird, ist es das Ziel des Autors, diese bewusst in den Fokus der eigenen Reflexion zu rücken, damit wir einen anderen Blickwinkel auf diese Arbeit bekommen und uns letztendlich selbst entscheiden können, ob sie für uns neue Möglichkeiten bieten oder sie uns einfach nur unsere Zeit stehlen, die sowieso schon knapp bemessen ist.

Schattenarbeiten haben nicht nur negative Folgen, manchmal haben sie durchaus auch positive Seiten an sich, auch das zeigt dieses Buch.

Auf jeden Fall braucht man für diese Art von Tätigkeiten eines – nämlich Zeit, vor allem die eigene Freizeit und durch Schattenarbeit leidet vor allem die soziale Zeit.

Das Buch ist verständlich geschrieben, mit vielen Beispielen angereichert und durchaus lesenswert.


Lambert, Craig (2015):

Zeitfresser.

Wie uns die Industrie zu ihren Sklaven macht.

München: Redline Verlag.

ISBN: 978-3-86881-594-1

19,99 €



Weiterer Literaturhinweis: Voß, Günter G./ Rieder Kerstin (2006): Der arbeitende Kunde. Wenn Konsumenten zu unbezahlten Mitarbeitern werden. Frankfurt/ M.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Schaltsekunde



Am 1. Juli haben Sie etwas mehr Zeit, denn an diesem Tag werden um 01:59:59 die Uhren für eine Sekunde angehalten.
Diese Schaltsekunden bringen  die Weltzeit mit der astronomischen Zeit in Einklang. Sie korrigieren Abweichungen, die entstehen, weil die Erde für eine Umdrehung etwas länger braucht als die Atomuhren, die exakt auf 24 Stunden eingestellt sind und die Weltzeit UTC vorgeben. 1972 wurde diese Zeitumstellung eingeführt und erfolgt in diesem Jahr zum 26. Mal. Ohne diese Schaltsekunde würde irgendwann die Sonne erst mittags aufgehen.
Die Schaltsekunde ist nicht unumstritten. Denn diese eine Sekunde hat ziemlich große Auswirkungen, insbesondere für digitalisierte technische Systeme, beispielweise im Stromnetz, den Finanzmärkten oder der Flugsicherung, weil hier mit Mikro-/Millisekunden-Zeitauflösung gerechnet wird. Bei der letzte Zeitumstellung 2012 fiel beispielsweise das Buchungssysteme einer Airline aus und Websites wurden lahmgelegt.
Daher wird über die Einführung einer Schaltminute alle 100 Jahre oder gar  einer Schaltstunde nachgedacht. Mit der Abschaffung der Schaltsekunde würde allerdings das menschliche Leben erstmals von der Sonnenzeit abgekoppelt und auch der Greenwich-Meridian, dessen mittlere Sonnenzeit  maßgeblich für die Weltzeit ist, würde an Bedeutung verlieren.